Kokain in Mumien
Woher stammt das Kokain, welches die Münchener Wissenschaftlerin Svelta Bablanova 1992 nachwies?
In Chile wurden präkolumbianische Mumien entdeckt, welche schon nennenswerte Spuren an Kokain enthalten. Der Gebrauch dieser Kulturdroge ist seit mindestens 3000 v. Chr. archäologisch nachgewiesen. Die chilenischen Mumien sind nicht mit den ägyptischen zu vergleichen, sie sind Folge eines natürlichen Mumifizierungsprozesses, zumeist findet man sie in Hockerstellung. Schon damals galt Koka als Nobeldroge, der Gebrauch war im andinen Großreich Tawiantasuyu dem Inka und dem Adel vorbehalten.
Im Gegensatz zu Tabak fand Koka bei den Spaniern keinen Gefallen, sondern stieß wegen seines bitteren Geschmackes auf Widerwillen. Allerdings erkannten die Kolonisten schnell, dass mit Hilfe dieser Droge die Arbeitsleistung der Ketchua und Aymara gesteigert werden kann. Daher wurde der Anbau von Koka nicht nur geduldet, sondern regelrecht gefördert. Auch andere Kolonialvölker wie die Holländer erkannten die Macht dieser Pflanze, und so gelangte sie auch nach Indonesien, wo heute noch Koka zu medizinischen Zwecke (zumindest heißt es das offiziell) angebaut wird. So dürfte schließlich die Pflanze auch nach Mauritius gelangt sein.
Das Wort Koka stammt aus der Sprache der Aymara und bedeutet schlichtweg Baum. Koka wird in verschiedenen Weisen verwendet. Traditionell wird den Blättern etwas Pflanzenasche (Kaliumkarbonat, Pottasche) zugefügt, wodurch das Kokain während des Kauens zu Ezgonin hydrolysiert wird. Ezgonin wirkt der Ermüdung entgegen und vermindert auch das Hungergefühl. Kokain wirkt auch gegen Sorroche, die berüchtigte Höhenkrankheit. Dem heutigen Peru-Reisenden wird Mate di Coca gereicht, ein Aufguss von Kokablättern, um den häufig auftretenden Schwindelgefühlen entgegen zu wirken. Das Alkaloid bewirkt eine bessere Durchblutung und führt so dem Körper mehr Sauerstoff zu.
Der größte Teil von Koka wird heute leider für die Herstellung von Kokain angebaut. Die Begründung liegt auf der Hand, die Drogenkartelle bezahlen mehr. Aus 100 kg Blätter kann etwa 1 kg Kokain gewonnen werden. Ein weiterer Teil dient der eigenen Versorgung, in Peru werden die Blätter frei auf dem Markt gehandelt, in Bolivien ist die Regierung auf amerikanischen Druck hin bestrebt, Koka zu verbieten, was zur Zeit bei der Bevölkerung große Proteste hervorruft. Minimal ist jener Anteil, der in die Pharma- und Getränke-Industrie geliefert wird. Das allgemein geschätzte Getränk Coca Cola enthielt in seiner ursprünglichen Komposition Kokain. Die Formel von Coca Cola ist heute noch eines der großen Geheimnisse dieser Welt, doch zwei ursprüngliche Komponenten waren Kokablätter und die Kolanuss. Allerdings wird seit 1903 kein Koka mehr verwendet.
Kokain macht Politik, und selbst der CIA soll geheime Projekte mit Kokainhandel finanziert haben. Doch die Droge erfreute sich zunehmender Beliebtheit, die Situation geriet außer Kontrolle und so wird der Kokainhandel heute von den USA rigoros bekämpft, wobei sie sich auch gegen die Anbaugebiete Peru und Bolivien wendet. Kokain ist heute dermaßen verbreitet, dass auch unsere Banknoten und Textilien in unseren Breitengraden durchwegs kontaminiert sind, auch wenn wir niemals mit der Droge Kontakt hatten. Andererseits liegt die Problematik der Andenstaaten auf der Hand, da der Gebrauch von Kokain volkstümlich ist, würde durch Illegalisierung ein Grossteil der indigenen Bevölkerung kriminalisiert.
Soviel zur offiziellen Kokaingeschichte - doch gibt es auch eine inoffizielle, welche grosse Fragen aufwirft. Die Rede ist von der Entdeckung von Kokain-Spurenin altägyptischen Mumien. Diese Entdeckung hat die Geister gespalten. Handelt es sich um eine normale Kontamination, wie sie bei Pfundnoten festgestellt wurde, war es absichtliche Fälschung, eine Fehlfunktion der Analysengeräte? Oder gab es auf dem afrikanischen Kontinent inzwischen ausgestorbene Pflanzen, welche die Neuweltalkaloide
Nikotin und Kokain enthielten. Oder existierte schon vor langer Zeit eine transatlantische Verbindung?
Im Jahre 1992 untersuchte Frau Dr. Svelta Bablanova die Mumie von Henut Taui. Das Grab dieser Dame wurde in den verschiedenen Epochen einige Male geplündert, schließlich aber gelangte die Mumie nach München, wo sie für lange Zeit ungestört blieb. Für die Wissenschaftlerin war dies ein ungewöhnlicher "Kunde", normalerweise verrichtet sie ihre Arbeit im Dienste der Gerichtsmedizin. Ihre Aufgabe bestand darin, herauszufinden, welche Drogen die alten Ägypter zu sich nahmen.
Nikotin und Kokain zu finden war keineswegs ihre Aufgabe, denn an diese Alkaloide dachte niemand. Dass sie entdeckt wurden, hängt mit den Eigenschaften der Drogentests zusammen. Die große Häufigkeit von Drogendelikten bringt eine große Zahl an Proben mit sich, und oftmals ist nicht bekannt, um was es sich handelt, oder es handelt sich um einen Cocktail an verschiedenen Alkaloiden. Aus diesem Grund wurden Tests entwickelt, welche das Spektrum der üblichen Alkaloide abdecken. Neben groben Schnelltests kommt die Gaschromatographie zum Zuge, mit welcher auch im forensischen Bereich gearbeitet werden kann. Als Beispiel sei ein Produkt der Firma Supelco aufgeführt:
Column: SPB-1, 15m x 0.53mm ID, 0.5µm film
Cat. No.: 25314
Oven: 115°C (2 min) to 290°C at 7°C/min, hold 10 min
Carrier: helium, 2.5mL/min
Det.: NPD
Inj.: methanol containing 10ng/µL each drug
Zur Analyse besonders geeignet waren Haarwurzeln. So nahm Frau Bablanova Haarproben von Henut Taui und wusch sie erst einmal mit Ethanol ab, um Kontamination mit Drogen auszuschließen. Schließlich wird der Inhalt der Haarwurzel extrahiert, und das Extrakt mittels Gaschromatographie vermessen. Bis dahin ist noch alles ganz normal, doch beim Chromatogramm zeigen sich Peaks an Stellen, wo sie nicht zu erwarten gewesen wären. Es zeigte sich, dass Henut Taui kein Kind von Traurigkeit war, es wurde zum Beispiel Tetrahydrocannabinol gefunden. Dieses ist das Hauptalkaloid von Cannabis.
Der Gebrauch von Haschisch ist uns durch Herodot überliefert, der diesen im Zusammenhang mit den Skythen beschrieb. Die Skythen aber rauchten ihn nicht direkt, sondern warfen die Samen auf heiße Steine und erfreuten sich der betäubenden Dämpfe. Weitere Alkaloide wurden festgestellt, doch zwei tanzten fürwahr aus der Reihe: Nicotin und Kokain.
Bestätigt wurde das Chromatogramm durch das Massenspektrum. Gaschromatograph und Massenspektrometer werden häufig gekoppelt, was zur geläufigen Bezeichnung GC-MS führt.
Die Probe wird im Einspritzblock des Gaschromatographen in eine Gasphase aufgenommen und bei hoher Temperatur verdampft. Der Weg führt über eine Trennsäule, die eine Glaskapilare darstellt, welche mit einer polymeren Trägersubstanz belegt ist. Bei der Supelcosäule handelt es sich dabei um SPB-1, hinter dieser Bezeichnung versteht man Poly-Dimethylsiloxan. Diese stationäre Phase trennt die verschiedenen Alkaloide auf, bevor sie in den Detektor gelangen. Beim oberen Chromatogramm handelt es sich um einen NPD-Detektor, diese Aufgabe kann auch ein MS erledigen.
Die Probe in der Gasphase wird in das MS geleitet, in dem ein starkes Vakuum vorherrscht. In der Ionisationskammer wird die Probe mit Elektronen beschossen, welche aus dem Filament stammen, das man durchaus mit einem Glühdraht vergleichen kann. Es gibt verschiedene Ionisationsmethoden, doch für die Strukturaufklärung wird üblicherweise EI (electron impact) verwendet. So war es auch bei Henut Taui der Fall. Durch den Einschlag der Elektronen wird das Molekül ionisiert und zerfällt nach
einem reproduzierbaren Muster in Fragmente. Im Falle von Kokain sind das folgende:
Durch einen Satz von Filtern und Linsen wird der Ionenstrom in den Bereich des Quadrupolmagneten geleitet. Dieser bestimmt die Flugbahn des Teilchens, welches von der Teilchenmasse abhängt. Das Teilchen schlägt schließlich auf eine Dynode ein, welche Elektronen ausgibt. Diese Elektronen treffen auf einen Photomultiplier. Der Quadrupolmoment verändert sich periodisch, sodass innert einer vorgegebenen Zeit das Ionenmuster aufgenommen werden kann. Die Spektren lassen sich einer Substanz eindeutig zuschreiben und sind im Gegensatz zum Chromatogramm gerichtlich verwendbar.
Im Falle der Mumien kam folgendes Spektrum zum Vorschein:
Entgegen Gerüchten wurde also wirklich Kokain gefunden, und nicht bloß ein Abbauprodukt. So wie es aussieht enthalten die Mumien tatsächlich Kokain, was auch durch spätere Untersuchungen an anderen Mumien bestätigt wurde. Dabei konnte auch nachgewiesen werden, dass Kokain oral aufgenommen wurde. Bedenklich ist weiterhin, dass die in Mumien nachgewiesenen Werte sich nicht hinter jenen unserer heutigen Drogenabhängigen verbergen müssen, sondern diese gemäß Arbeiten von Franz Parsche, Svelta Bablanova und Wolfgang Pirsig diese sogar bis um das vierfache übertrafen.
Beide Alkaloide (Nikotin und Kokain) verweisen auf den ersten Blick in die neue Welt. Als Kokainquellen sind uns heute die beiden Pflanzen Erythroxylum coca und Erythroxylum novogranatense bekannt. Auch wenn Thor Heyerdahl mit seiner Ra II - Mission zeigte, dass den Ägyptern die Überquerung des Atlantiks prinzipiell möglich war, so besagte das nicht, dass dieses auch geschah. Außerdem könnte die Atlantikroute nur für Tabak gelten, währenddem die Coca-Pflanze in der Anden-Region zu finden wäre. Die Südatlantikroute kann man getrost vergessen, die See dort ist zu stürmisch und wäre wohl der Tod für jedes Schilfboot gewesen. Eine Überquerung des Panama-Isthmus setzt wiederum voraus, dass man auf der anderen Seite Meer erwartet. Bliebe noch die Variante der Pazifik-Überquerung. Das klingt auf den ersten
Blick hin unwahrscheinlich, doch legen polynesische Völker erstaunliche Strecken zurück und navigieren alleine mit Hilfe der Sterne. Allerdings gab es die polynesischen Völker zu dieser Zeit noch nicht, denn um 2500 v. Chr. hatten die Vorfahren der Polynesier gerade mal die Sunda-Inseln(Indonesien) besiedelt, und bis 1200 v. Chr. war keiner weiter westlich als nach Samoa vorgedrungen. Um das Jahr 300 n. Chr. schließlich wurden die Osterinseln erreicht. Gewisse Artefakte legen wohl Beziehungenzwischen Ägypten und Australien über längere Zeit nahe, doch soll dieses Thema in einer eigenen Arbeit behandelt werden.
Die Theorie von altertümlichen Ozeanüberquerungen ist nicht bestätigt und ein ständiger Zankapfel. Die Diskussion ist weniger wissenschaftlicher als ideologischer Natur, und beide Seiten sind auch schnell bereit, Fakten zu verdrehen. Kritikpunkte sind schon die Vergangenheit der Mumie, die wohl schon einiges erlebt hatte. Die nächste Fehlerquelle ist natürlich die Probenahme, darin liegt bei Untersuchungen ein erhebliches Fehlerpotential. Jedoch darf nicht vergessen werden, dass bei derart ungewöhnlichen Ergebnissen die Laboranalyse angezweifelt wird und inklusive Probenahme wiederholt werden muss, und das unter strengeren Auflagen. Verschleppungen von anderen Proben können vorkommen, doch wird bei solchem Verdacht erst mal eine Blindprobe gefahren, um das zu überprüfen. Weiter könnte Probenverwechslung vorkommen, was aber bei einem derart unerwarteten Ergebnis durch Wiederholung ausgemerzt würde. Schließlich kann auch die Messung falsch abgelaufen sein, doch solche Fehlfunktionen äußern sich meist auf andere Weise und erstreckt sich über sämtliche Komponenten. Dass der Fehler bei der Messung liegt, ist eher unwahrscheinlich, die Kontamination wurde durch angepasste Probenvorbereitung ausgemerzt. Ganz boshafte Stimmen werden wohl auch bewussten Betrug nicht ausschließen. In Sachen transatlantischer Kulturkontakte sind schon einige Betrügereien aufgeflogen, insbesondere angebliche Inschriften der Wikinger.
Gehen wir nun von der Annahme aus, dass bei der Messung alles korrekt zu und her ging, dass die Proben richtig aufgearbeitet wurden, dann stellt sich die Frage, ob solche Alkaloide nicht auch von anderen Pflanzen stammen könnten. Das ist natürlich grundsätzlich möglich, problematisch ist diese These jedoch dadurch, dass sie nicht bewiesen oder widerlegt werden kann, da sie vorwiegend von ausgestorbenen Arten ausgeht. So wird über die Möglichkeit einer Tabakart im alten Ägypten gesprochen. Auch im Falle von Kokain spekulieren die Wissenschaftler über noch unbekannte Pflanzen auf dem afrikanischen Kontinent, oder auch solche, deren Chemismus unzureichend untersucht ist.
Die natürliche Funktion der Alkaloide ist ihre Giftigkeit. Sie sollen die Pflanzen vor Fressfeinden schützen. Das heißt, die Bildung von Alkaloiden ist ein langwieriger
evolutionärer Prozess, welcher Hand in Hand mit der lokalen Fauna geht. Südamerika war wie Australien lange Zeit isoliert. Ursprünglich lebten dort Beuteltiere und einfache Placentatiere, die sich zu ungewöhnlichen Formen entwickelten. Während des Pliozäns verbanden sich die beiden amerikanischen Kontinente wieder, und so kamen verschiedene Säugetiere nach Südamerika. Ein Rätsel bleiben weiterhin die Breitnasenaffen und Nagetiere, welche deutlich früher aus Afrika eingewandert sein müssen, möglicherweise durch Überquerung des Atlantiks auf "Flossen" (diese wissenschaftliche Theorie ist nicht ohne Ironie). Könnte es sein, dass diese langfristige
Isolation ganz spezifische Alkaloid-Derivate entstehen ließ?
Chemisch gehört Kokain zu den Tropinon-Alkaloiden. Diese werden wiederum in zwei Kategorien eingeteilt, welche auf ihre Biosynthese verweisen. Kokain zählt zu der Tropinon-Gruppe, welche in den Pflanzen auf folgende Weise synthetisiert werden:
Die Darstellung ist stark vereinfacht, es bedarf ein großes Aufgebot an Enzymen und Koenzymen sowie weiterer biochemischer Substanzen. Die zweite Gruppe sind die Tropin-Alkaloide, welche auf die folgende Weise gebildet werden:
Was für Pflanzen der alten Welt aber sind nun mögliche Kandidaten für Kokain oder verwandte Substanzen? Das bekannteste Tropinon-Alkaloid ist wohl das Atropin, welches in der Tollkirsche (Atropa belladonna) vorkommt.
Das ägyptische Bilsenkraut (Hyoscyamus muticus) enthält, ebenso wie sein europäischer Verwandter Hyoscyamus niger und das Tollkraut (Scopolia carniolica) die Alkaloide Hyoscyamin, Scopolamin und Atropin. Ebenso kommen diese Substanzen in der männlichen wie weiblichen Form der Alraune vor (Mandragora officinarum & Mandragora autumnalis), weiter sind sie die Hauptalkaloide der Engelstrompete (Brugmansia) und des Zaubererbaumes Latua (Latua pubiflora).
Der mittelamerikanische Stechapfel (Datura Stramonium) und Duboisia myoporoides / leichhardtii enthalten Scopolamin.
Eine europäische Pflanze, deren Wirkung als kokainähnlich beschrieben wird, ist der unter dem Namen Engelsüss bekannte Tüpfelfarn Polypodium vulgare), welcher unter anderem im Gebiet des Wattenmeeres vorkommt. Als Alkaloide werden Osladin und Phloroglucine angegeben.
Der Pituristrauch (Duboisia hopwoodii) enthält Piturin, Duboisin und Nikotin, womit zumindest für dieses ein Kandidat gefunden wurde. Leider aber verweist diese Pflanze wieder nach Australien, was eine Überquerung des indischen Ozeans erforderlich machen würde.
Des Weiteren ist auch in Kirschblättern Nikotin enthalten.
Zu den weiteren Pflanzen, welche in diesem Zusammenhang oft genannt wurden, gehört der blaue Lotus (nymphaea caeruela). Wie die Seerose enthalten die Lotuspflanzen die Chinolizidin-Alcaloide Nupharin und Nymphatein und dienen als Aphrodisiakum. Auf jeden Fall ist die Anwendung dieser Pflanzen durch die Ägypter unbestritten, wie folgende Grabbeigabezeigt, löst aber das Kokain-Problem nicht.
Über die Alkaloide ist folgendes bekannt:
Deoxynupharidin Nupharamin Nupharidin
Es ist deutlich zu erkennen, dass diese Alkaloide eine vollkommen andere Struktur als die Tropinon-Alkaloide aufweisen. Diese sind zum Beispiel:
Bislang unbekannt ist die Struktur des Nymphaein, das folgende Summenformel aufweist: C14H32NO2. Eine solche Zusammensetzung ist für ein neutrales Molekül schlicht unmöglich, die Wasserstoffzahl müsste ungerade sein. Angesichts der hohen Wasserstoffzahl ist die Wahrscheinlichkeit polyzyklischer Verbindungen eher gering.
Bleiben andere ausgestorbene oder nicht bekannte Pflanzen, über die wir nicht informiert sind. Es gibt natürlich auch eine südafrikanische Pflanze, welche mit der amerikanischen Koka-Pflanze botanische verwandt ist. Allerdings muss leider gesagt werden, dass diese kein Kokain produziert. Das wäre natürlich schön gewesen, um die Herkunft der Droge ins mystische Land Punt zu verlegen, dass nach verschiedenen Ansichten irgendwo zwischen Somaliland und Zimbabwe liegen sollte.
Eine weitere botanische Spur könnte im Isched-Baum liegen. Dieser kommt neben dem ebenfalls hoch geachteten Weihrauch in vielen ägyptischen Gräbern vor. Nach Meinung einiger Autoren ist es Botanikern bisher nicht gelungen, den Baum zu identifizieren, doch meinen andere, dass es sich um einen Lebensbaum handle, als welcher der Isched
in der Ramessidenzeit gerne dargestellt wurde. Wiederum andere erkennen in diesem Baum eine Sykomorenart der botanischen Bezeichnung Balanites aegyptiaca. Allerdings wird die Frucht, welche offenbar so begehrt sein sollte, als bitter und unangenehm beschrieben. Eine weitere Theorie schreibt diesen dem Perseabaum (Persea Barbonia) zu.
Aus der Mythologie ist bekannt, dass Thot mit Hilfe von Seschat den Thronnamen des Königs und seine Regierungsjahre in ein Blatt des Ischedbaumes schrieb, worin wiederum seine Funktion als Lebensbaum zum Ausdruck kommt. Bleibt natürlich noch die Variante, dass es sich um eine ausgestorbene Pflanze handelt. Auf jeden Fall scheint die Frage um die botanische Zuordnung des Isched-Baumes noch lange nicht geklärt. War es vielleicht eine Kokapflanze? Interessant ist in diesem Zusammenhang auf jeden Fall, dass die Aymara Kokablätter als Orakel verwenden, somit also einen Lebensbaum im Kokastrauch erkennen.
| Isched-Baum | Balanites aegyptiaca | |
| Erythroxylum | cocaPersea Barbonia |
Ein weiterer bisher nicht identifizierter Laubbaum ist der Kesbetbaum. Nach der Legende wurde Osiris von der Himmelsgöttin Nut unter einem solchen Baum geboren.
Es existiert in Skeptikerkreisen die Ansicht, dass beim Prozess der Mumifizierung möglicherweise körpereigenes Kokain gebildet wird. Bisher ist ein solcher Prozess nicht bekannt, jedoch kann der menschliche Körper eine Substanz bilden, welche eine morphinähnliche Wirkung aufweist. Die Bildung dieser Substanz wird mit dem Szenario in Verbindung gebracht, dass die Australopithecinen oftmals Opfer von Raubkatzen wurden. Der Alkaloidschub verhinderte die Schmerzreaktion bei abgebissenem Arm
und verbesserte so die Fluchtchancen. Auch heute wird dieses Phänomen häufig bei Marathon-Läufern festgestellt, welche auf diese Weise die Strapazen ertragen.
Gegen die Bildung von Kokain im Körper spricht aber ein anderes Faktum, nämlich dass die Substanz in den Haarwurzeln gefunden wurde. Eine Mumie ist nicht mehr biologisch aktiv, also kann gebildetes Kokain nicht ins Haar eingelagert werden. Dasselbe Problem negiert auch die Herkunft aus Spezereien zur Balsamierung des Toten oder allfälligem Parasitenbefall. Ein weiteres Problem für chemische Aktivität ist die Dehydratation des mumifizierten Körpers. Wasser aber ist die Grundlage für
die meisten chemischen Prozesse im menschlichen Körper. Dahinter liegt wohl auch ein tieferer Sinn bei der Mumifikation, durch Austrocknung können die Verwesungsprozesse verlangsamt und schließlich aufgehalten werden.
Daneben besitzt der menschliche Körper auch nicht die notwendigen Enzyme, die nach dem Ableben aber auch nicht mehr so rege reproduziert werden. Und eine Binsenweisheit
besagt, dass ohne des mit Hilfe von Atmungssauerstoff gebildeten ATP nicht mehr viel läuft. Die postmortale Bildung von Kokain ist wohl eher unwahrscheinlich.
Abschließend bleiben also die Fragen offen. Die einfachste Variante, wenn man vom Kokain ausgeht, ist seine amerikanische Herkunft. Jedoch bedarf diese These der Unterstellung, dass sich Ägypter auf den weiten Weg über den Pazifik gewagt hätten, oder dass die Droge über eine Reihe von Zwischenhändlern dorthin gelangte. Also müsste auch unterstellt werden, dass ein Volk den Pazifik überquerte, um mit Amerika Handel zu treiben. Die einfachste Variante, wenn man von den alten Ägyptern ausgeht, ist jene, dass das Kokain aus erreichbaren Gegenden stammt, vorteilhaft wäre Afrika. Diese These unterstellt aber wiederum, dass solche Pflanzen existieren oder existiert haben. Den Beweis bleiben uns beide Thesen weiterhin schuldig.
Hermann E. Bossi.