M-R: [...] Unklar ist auch wie [...] die in Bosse stehenden Steine der Außenverkleidung anschliessend von oben nach unten geglättet werden konnten. Ohne ein von außen angebrachtes „Gerüst“ erscheint dies nicht möglich.

   M-R verweist auf Seite 192 auf Arnold, Lexikon der ägyptischen Baukunst, S.43, und Goyon, Cheopspyramide, S.137, die wiederum auf die ungeglätteten, bzw. geglätteten Granitverkleidungssteine der unteren 16 Lagen der Mykerinospyramide, die Ringbänder der Pyramide in Meidum, oder auch auf die Säulen im 1. Hof des Karnak Tempels verweisen.

Aufgrund dessen und aufgrund des Befundes, dass sich in unmittelbarer Umgebung der Pyramide einige geglättete Granitverkleidungssteine finden, die offensichtlich aus den oberen Reihen herabgestürzt sind, folgert M-R anscheinend, dass die äußeren Verkleidungssteine sämtlicher Pyramiden gebosst verlegt wurden, und erst als die Pyramide fertig gebaut war, von oben nach unten geglättet wurden.
Ein schmaler Rand entlang der gebossten Seiten war seiner Ansicht nach bereits vor der Verlegung geglättet.

Gegen diese Schlussfolgerung spricht allerdings schon allein die Tatsache, dass sich neben einigen geglätteten Granitsteinen aus oberen Lagen - aus welchen ist unklar - gleichwohl geglättete Flächen in direkter Bodennähe, unterhalb des Eingangs und hinter dem inneren Totentempel auf der Ostseite finden.
Wenn man sich dazu noch ansieht, wie akurat die Kanten vieler Steine gearbeitet sind, dann kann man eigentlich überhaupt nicht zu dem Schluss gelangen, dass die Glättung erst abschließend, und von oben nach unten durchgeführt wurde, bzw. werden sollte.

Der Stein in der 2. Lage von unten, links, ist komplett geglättet. Die darunter und darüber zur Hälfte. Die Steine der vorletzten Lage oben sind bis auf die rechts und links ebenfalls komplett geglättet. Diese Kanten und die der umliegend angrenzenden Steine, beweisen ohne jeden Zweifel, dass die Steine bereits vor der Verlegung bearbeitet worden sind!

Mit einem Doleritstein, den man obendrein mit beiden Händen halten musste, um zuschlagen zu können, hätte man zwangsläufig auch die Kanten der darunter, darüber oder daneben liegenden Steine beschädigt, bzw. abgearbeitet.

Alle geglätteten Steine sind fugendicht verlegt. Die unbearbeiteten sind es nicht. Bei einer abschliessend geplanten Glättung würden keine dichten Fugen entstehen. Und außerdem hätte man die Steine von oben nach unten bearbeitet, wäre die oberste Lage ja wohl zuerst bearbeitet worden.

Auf der Ostseite fehlen die oberen Lagen, dass die Fläche ebenso bearbeitet war, ist jedoch wahrscheinlich, weil hier die gleichen Bearbeitungsmerkmale festzustellen sind. Man hatte also offensichtlich schon von vornherein nicht die Absicht alle Steine zu glätten!

Es spricht daher objektiv mehr dafür, dass die Pyramide nicht wie allgemein angenommen unfertig war, sondern genau dem entsprach, was die Pyramidenbauer im Sinn hatten, dieser Sinn bisher nur noch nicht verstanden wurde.

   Bei M-Rs Vorgehensweise mussten natürlich alle vier Seiten der Pyramide über die gesamte Fläche zugänglich sein. Deshalb umhüllt er die Pyramide nach Errichtung des Stufenkerns, den er ja als erwiesen betrachtet, beim darauf folgenden Bau der äußeren Verleidungsschichten komplett mit vier Arbeitsplattformen aus Nilschlammziegeln, die sich in den gebossten Außenseiten des feinen Tura Kalksteins festkrallen.
Darauf befinden sich jeweils 43 einzelne Rampen, ebenfalls aus Nilschlammziegeln, mit einem Anstiegswinkel von 26,57° die bis zur Spitze führen .(S. 205)

   Abgesehen von M-Rs kurzsichtigen Schlussfolgerungen [...] gibt es weitere eindeutige Befunde, die darauf schließen lassen, dass die äußeren Verkleidungssteine nicht gebosst verlegt und abschließend von oben nach unten bearbeitet worden sind.

Nämlich, die bereits Eingangs erwähnte Feststellung der Klemms, dass -

[...] keinerlei Materialüberreste (sichtbare Deponien von altsedimentiertem, nilschlammdurchsetzten Schuttmaterial) auf dem Giza-Plateau zu erkennen sind [...]

Die im oberen Viertel der Chefrenpyramide erhaltenen Verkleidungssteine -

[...] Ihre Außenseiten sind oft um wenige Millimeter versetzt, statt genau zu fluchten. [7] Mark Lehner, Geheimnis der Pyramiden S.123

Zwar wird dies gemeinhin als Folge von Erdbeben angesehen, die dort durchaus vorkommen, jedoch weisen die an der großen Pyramide, im unteren Bereich erhaltenen Verkleidungssteine, keinerlei Versatz auf.
Entscheidender ist jedoch eine Beobachtung von Petrie, der bei Vermessungen feststellte, dass die Pyramide im oberen Bereich eine deutliche Verdrehung aufweist.

[...] Taking, then, the differences between the corners observed on, and the diagonals of the raised square, these differences of the casing are thus:—

N.E. + 1.7; S.E. +.6; SW. + .6; NW. + .3; mean + .7 inch.

From this it is seen that the builders skewed round the planes of the casing as they went upward the twist being + 1' 40" on the mean of the sides; so that it is absolutely – 3' 50" from true orientation at the upper part.
[8] The Pyramids and Temples of Gizeh W.M. Flinders Petrie, Chap. 8. Outside of Second Pyramid, Sec 65.

Und, das von Stadelmann gefundene Pyramidion von Snofrus roter Pyramide in Dashur/Nord -

[...] Die vier Seiten des Pyramidions weisen verschiedene Böschungswinkel auf. Dies zeigt uns, dass zwangsläufig auftretende Messfehler gegen die Spitze zu ausgeglichen werden mussten.[9] Rainer Stadelmann, Die ägyptischen Pyramiden, Taf.29

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